20.08.2008

Peter Spuhler: "Wir müssen die Nischen suchen"

Peter Spuhler
Peter Spuhler

Peter Spuhler im Interview mit der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „LANDfreund"

„Aebi bietet Technologie im Topsegment, jetzt gilt es, die Kosten in den Griff zu bekommen", erklärt Peter Spuhler, der seit 2007 Mehrheitsaktionär der Aebi Schmidt Gruppe ist. Ähnliche müssten die Schweizer Bauern im sich öffnenden Markt vorgehen.

Entstammt Ihr Engagement bei Aebi Burgdorf Ihrem Unternehmergeist oder einer Liebhaberei?

Reines Liebhabertum und Unternehmergeist vertragen sich nicht sehr gut. Ich stehe voll und ganz als Unternehmer hinter diesem Engagement. Ich setze auf den Werkplatz Schweiz. Als die Aebi-Eigentümer keinen Nachfolger in der Familie fanden, waren wir bereit, einzusteigen.

Wie kam Aebi in Ihren Besitz?

Der heutige Aebi-CEO Roger Kollbrunner hatte damals als Unternehmensberater mit der Familie Aebi zu tun. Er gelangte mit der Idee einer möglichen Übernahme an mich.

Was gab den Ausschlag zur Übernahme?

Aebi ist eine sehr gute und traditionelle Marke. In vielen Bereichen ist auch die Technologie auf einem sehr hohen Stand. Zwei, drei Problemfälle müssen wir noch lösen. Übers Ganze gesehen ist das Potenzial zur Erfolgsstory sehr hoch.

Sie sprechen Problemebereiche an. Wie war die Stimmung bei der Übernahme?

Die Firma war sehr lange sehr zurückhaltend mit Investitionen in neue Technologie, in den Maschinenpark oder ins Marketing, zum Beispiel in den Aufbau neuer Märkte. Wenn in der Familie niemand weiterfahren will, wird man defensiv und beschäftigt sich zu wenig mit strategischen Grundsatzfragen.

Was haben Sie etwa punkto Technologie verändert?

Wir merzen nun die Kinderkrankheiten gewisser Fahrzeugtypen aus und verbessern die Produkte generell.

Gibt es einen intensiven direkten Austausch zwischen Aebi Burgdorf und der Stadler Rail?

Das sind zwei völlig verschiedene Engagements, welche nur über den Mehrheitsaktionär Peter Spuhler miteinander verbunden sind. Lediglich auf der Führungsebene diskutieren wir zusammen.

Wie groß ist für Sie der Aufwand als Verwaltungspräsident bei Aebi?

Zu Beginn des Engagements ist der Aufwand immer größer. Wir haben einige Projekte laufen: Etwa den Zusammenschluss mit Schmidt zur Aebi Schmidt Gruppe.

Was bringt der Zusammenschluss mit Schmidt?

Er wird uns helfen, Vertrieb und Service zu optimieren, weil Schmidt in einigen europäischen Ländern sehr gute Vertriebs- und Servicestrukturen unterhält. Weitere Projekte sind ein komplett neues Finanz- und Rechnungswesen, ein Controlling- und Reporting-System, der Neubau in Burgdorf...

... Warum braucht es in Burgdorf ein neues Fabrikationsgebäude?

Weil wir in einem Neubau künftig auf modernster Basis Fahrzeuge produzieren können. Das ist in den alten sehr kleinräumigen Aebi-Fabrikgebäuden nicht möglich.

Worüber freuen Sie sich am meisten bei Aebi?

Aebi hat in einem Topsegment sehr gute Produkte zu bieten. Wir müssen jetzt nachhaltig die Technologieführerschaft sichern.

Und Ihre Sorgen?

Auf der Kostenseite müssen wir die Zahlen in den Griff bekommen. Ein Hauptproblem sind nach wie vor die saisonalen Schwankungen der Produktion. Wir sind daran, dies auszugleichen.

Mit welchem Kostensenkungspotenzial rechnen Sie bei Aebi insgesamt?

Aebi war zuletzt finanziell nicht auf Rosen gebettet, sondern hat über Jahre rote Zahlen geschrieben. Da müssen Sie den ganzen Betrieb auf sämtliche Kostensenkungspotenziale durchforsten.

Was haben Sie gefunden?

Der Hebel ist überall anzusetzen. Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen: Aebi hatte riesige Lager, die viel zu hohe Kosten verursachten und Kapital binden.

Welchen Umsatz erzielt Aebi?

Die Aebi Schmidt Gruppe erzielt etwas mehr als 500 Mio. Franken Umsatz mit rund 1400 Mitarbeitern. Wir schreiben schwarze Zahlen, wenn auch nicht gerade berauschende.

Aebi selbst auch?

Ja, knapp, seit dem letzten Jahr.

Welche Visionen hegen Sie für den Absatz und Umsatz der Firma Aebi?

Der Umsatz ist nicht das Maß aller Dinge. Wir wollen schwarze Zahlen schreiben und mit unseren Produkten die Kunden zufrieden stellen. Dann kommt das Wachstum automatisch. Wir bieten Produkte in einem technologischen Topsegment an. Das gilt nicht nur für Aebi Schmidt sondern auch für Stadler Rail. Wenn wir aus der Schweiz heraus bestehen wollen, müssen wir in der Technologie führend sein. Denn sie finden immer jemanden, der billiger produziert. Die eine oder andere Hausaufgabe ist hier noch zu erledigen.

Sind weitere Firmenkäufe geplant?

Nein, momentan nicht.

Wie positionieren Sie sich innerhalb der Landtechnikbranche? Bleibt Aebi Nischenplayer?

Absolut. Es wäre der falsche Weg, wenn wir nun den großen Traktorherstellern den Boden streitig machen würden. Ich glaube aber, dass es innerhalb der Landwirtschaft noch weitere Nischen gibt. Zudem liegt im Kommunalbereich ein großes Potenzial. Mit dem Terratrac können Sie sowohl Bergwiesen als auch Bahndämme oder Golfplätze mähen. Der vermehrte Absatz im Kommunal- und Freizeitbereich kann uns helfen, die Stückkosten zu senken.

Welches ist Ihr Lieblingsprodukt bei der Firma Aebi?

Terratrac - der ist super.

Haben Sie selbst einen zu Hause?

Nein, (lacht), da ist mein Garten zu klein. Aber ich fahre ihn sehr gerne.

Welche Beziehung pflegen Sie zur Landwirtschaft?

Es braucht eine gesunde Landwirtschaft. Als Vertreter des SVP-Wirtschaftsflügels in der Partei habe ich Bauernanliegen immer unterstützt.

Was denken Sie zum EU-Agrarfreihandel?

Grundsätzlich muss sich die Landwirtschaft von den staatlichen Fesseln lösen. Staat und Bürger müssen den Landwirt als Unternehmer akzeptieren, und der Landwirt muss sich unternehmerisch verhalten.

Spielen Sie da nicht mit dem Feuer? Um die Fesseln zu lösen, müsste der Staat Ökologie- und Tierwohlvorschriften abbauen. Diese sind aber mit ein Grund, warum das Volk die Landwirtschaft unterstützt.

Es gibt zwei Seiten. Einerseits muss sich der staatliche Einfluss aus den Zeiten der Anbauschlacht reduzieren. Anderseits gibt es zahlreiche Gesetze im Ökologie- und Tierhaltebereich, welche dem Landwirt zusätzliche Kosten aufbürden. Wenn der Bürger die will, muss er sie natürlich bezahlen, damit der Landwirt im internationalen Wettbewerb gleich lange Spiesse erhält. Ich persönlich denke, dass sich die Landwirtschaft in Richtung Öffnung bewegen muss. Die zwei zentralen Fragen lauten aber: Wie viel Öffnung verträgt die Landwirtschaft und zu welchem Preis?

Ihre Antwort?

Eine komplette Öffnung würde zu einem Blutbad in der Landwirtschaft führen. Wenn öffnen, dann schrittweise, flankiert und immer mit dem Ziel, den Bauern als Unternehmer an den Markt heranzuführen. Schon heute bringt die Landwirtschaft innovative und qualitativ hoch stehende Produkte auf den Markt. Wir haben gute Chancen, diese Produkte auch im Ausland im Topsegment anzubieten. Es gibt da durchaus Parallelen zur Maschinenindustrie. Auch die hat ein Kosten- und ein Währungsproblem.

Sie vergleichen Landwirtschaft und Maschinenindustrie. Während aber ein Maschinenhersteller sein Produkt differenzieren kann, hat zum Beispiel ein Milchproduzent aufs Endprodukt nur bedingt Einfluss.

Das ist absolut richtig. Grundnahrungsmittel sind schwer zu differenzieren. Aber im Export von Käse oder Fleischspezialitäten kann sich die Schweizer Nahrungsmittelbranche durchaus auf Topniveau bewegen. Die Landwirtschaft und der Werkplatz Schweiz müssen sich nicht verstecken. Wir haben gute Chancen und müssen daran glauben.

Wie würden denn Sie vorgehen, wenn Sie einen Landwirtschaftsbetrieb leiten würden?

Ich bin nicht Landwirt. Aber ich würde versuchen, Nischen zu besetzen wie mit Stadler Rail.

Wie haben Sie die Kleinfirma Stadler zu einem international tätigen Unternehmen ausgebaut?

Drei Punkte sind wichtig: erstens die Technologieführerschaft. Man muss besser sein als die Konkurrenz. Zweitens müssen Sie die Kosten im Griff haben. Drittens muss man den Wettbewerb suchen. Unternehmertum braucht Leidenschaft, den Mut, Rückschläge einzustecken, und den Willen, sich durchzubeißen.

 

Das Interview führte Stephan Jaun-Pfander